Trigeminusneuralgie

Trigeminusneuralgie

Eine Trigeminusneuralgie ist ein Gesichtsschmerz, der sich durch blitzartige, sehr starke und stechende Schmerzen auszeichnet. Die Attacken dauern meist nur wenige Sekunden, gehören jedoch zu den stärksten bekannten Schmerzen überhaupt. Es handelt sich um einen äußerst schmerzhaften Reizungszustand des fünften Hirnnerven.

Formen der Trigeminusneuralgie

Es werden zwei Formen von Trigeminusneuralgie unterschieden:
Klassische Trigeminusneuralgie: 
Die klassische Trigeminusneuralgie (früher: idiopathische Trigeminusneuralgie = ohne erkennbare Ursache) ist die häufigere Form. Sie tritt überwiegend einseitig auf und die Schmerzattacken sind typischerweise durch beschwerdefreie Intervalle unterbrochen. Diese Form entsteht dadurch, dass benachbart liegende Blutgefäße auf den Nerv drücken.
Symptomatische Trigeminusneuralgie: 
Die symptomatische Trigeminusneuralgie ist sehr selten und entsteht durch Erkrankungen wie z.B. multiple Sklerose oder Hirntumoren. Sie kann öfters beidseitig auftreten und auch zwischen den Schmerzattacken mit Beschwerden einhergehen. Ursache für die typischen Schmerzattacken ist dann eine Schädigung der Nervenscheide im Bereich der Eintrittsstelle der Nervenwurzel.

Ursachen der Trigeminusneuralgie

Die Ursachen sind unabhängig von der Form der Trigeminusneuralgie und liegen immer in einer Schädigung oder Reizung des Trigeminusnervs , auch Drillingsnerv genannt. Dieser Nerv teilt sich nach seinem Austritt aus der Schädelbasis in drei Äste auf. Er tritt am Unterkiefer, am Oberkiefer und etwa auf Augenhöhe aus dem Schädel heraus. Auf diese Weise versorgt der Trigeminusnerv unterschiedliche Bereiche des Gesichts.

Symptome der Trigeminusneuralgie

Die kennzeichnenden Symptome sind vorwiegend einseitige, plötzlich einsetzende, extrem starke Gesichtsschmerzen, die nur Sekundenbruchteile bis höchstens zwei Minuten dauern.
Die Schmerzen  zählen zu den stärksten Schmerzen überhaupten. Viele Betroffene beschreiben sie als blitzartig aus heiterem Himmel einschießend oder stromstoßartig sowie mit brennendem oder stechendem Charakter. Die Schmerzattacken können sich häufig und rasch wiederholen (bis zu 100 Mal pro Tag). Sie treten ohne erkennbaren Auslöser auf, aber typischerweise auch nach Berührung der Wange, der Stirn, häufig beim Sprechen, Lachen, Zähneputzen, Kauen oder Schlucken. 

Diagnose der Trigeminusneuralgie

Für die Diagnose ist es wichtig, die Symptome genau zu kennen, um andere Formen von Gesichtsschmerzen oder Kopfschmerzen auszuschließen. Außerdem untersucht der Arzt die Nerven, denn: Bei der Trigeminusneuralgie kann man in der Regel keine Defekte am Nervensystem feststellen. Liegen deutliche Hinweise auf eine Trigeminusneuralgie vor, ist es vor allem wichtig, festzustellen, ob es sich um die klassische oder die symptomatische Form  handelt (letztere lässt sich auf eine andere Erkrankung zurückführen).

Therapie der Trigeminusneuralgie mit Medikamenten

Zur Therapie einer Trigeminusneuralgie bietet sich vor allem der Wirkstoff Carbamazepin an: Dieses Mittel beugt weiteren Schmerzattacken am wirksamsten vor. Bei einer langsam ansteigenden Dosierung bleiben die möglichen Nebenwirkungen meist aus. Wenn Sie Carbamazepin aus medizinischen Gründen nicht einnehmen dürfen oder der Wirkstoff bei Ihnen nicht ausreichend wirkt, ist es auch möglich, auf andere Medikamente zur Schmerzprophylaxe zurückzugreifen. Eine wahrscheinlich mit Carbamazepin vergleichbare Wirkung hat der Wirkstoff Oxcarbazepin.

Akutbehandlung der Trigeminusneuralgie

Wenn sich die Schmerzattacken der Trigeminusneuralgie plötzlich verschlimmern und ein schnelles Eingreifen nötig machen, kann zur Akutbehandlung zusätzlich der Wirkstoff Phenytoin zum Einsatz kommen – oder alternativ der Wirkstoff Pimozid. Beide Wirkstoffe werden über eine Vene verabreicht. Ist für die Trigeminusneuralgie eine multiple Sklerose verantwortlich, ist der Wirkstoff Misoprostol zur Therapie geeignet.

Operation

Bei einer Trigeminusneuralgie kommt eine Operation in Betracht, wenn
Medikamente nicht ausreichend wirken
oder zu starke Nebenwirkungen hervorrufen
oder wenn es möglich ist, die Ursache der Nervenschmerzen operativ zu beheben (z.B. bei einer symptomatischen Trigeminusneuralgie infolge von Tumoren).
Früher war es eine häufig praktizierte Maßnahme, den erkrankten Trigeminusnerv einfach zu durchtrennen (sog. Exhärese, Rhizotomie). Diese Methode kommt heutzutage nicht mehr zum Einsatz, da neben der einseitigen Gesichtslähmung oft noch stärkere und vor allem nicht mehr zu beeinflussende Schmerzen die Folge sein können.

Komplikationen

Eine Trigeminusneuralgie kann bei schwerem Verlauf die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Dies kann verschiedene Komplikationen nach sich ziehen: Wenn die Schmerzen solche Ausmaße annehmen, dass die Betroffenen sie als schier unerträglich empfinden, können sie Depressionen, Angstzustände und sogar Selbstmordgedanken entwickeln.


Vorbeugen

Der Entstehung einer Trigeminusneuralgie können Sie nicht direkt vorbeugen.
Falls bei Ihnen eine Trigeminusneuralgie besteht, können Sie jedoch durch eine geeignete Therapie die Schwere der Schmerzattacken lindern oder Anfälle vollständig verhindern.
Darüber hinaus ist es allgemein ratsam, durch eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und regelmäßigem Sport einer Arteriosklerose (Arterienverkalkung) vorzubeugen, da diese als mögliche Ursache einer Trigeminusneuralgie gilt.