Zahnspange

Zahnspange

Die Zahnspange ist eine zahnmedizinische Apparatur, mit der Kiefer- und Zahnfehlstellungen korrigiert werden. Die Behandlung kann prinzipiell von jedem Zahnarzt ausgeführt werden. Fachzahnärzte für Kieferorthopädie haben sich jedoch durch eine zusätzliche drei- bis vierjährige Weiterbildung hierauf spezialisiert. Man bedient sich in der kieferorthopädischen Therapie unterschiedlicher Behandlungsformen und Behandlungsmittel, die umgangssprachlich als „Zahnspange“ oder „Zahnklammer“ bezeichnet werden.

Geschichte der Zahnspange

Als wichtigster Begründer der wissenschaftlichen Kieferorthopädie gilt der US-amerikanische Kieferorthopäde Edward H. Angle (1855-1930), der nicht nur die festsitzenden Zahnspangen bis zur heute noch verwendeten Edgewise-Apparatur verbesserte, sondern auch Autor eines in sieben Auflagen erschienenen Lehrbuchs der Kieferorthopädie war. Angle gründete im Jahr 1900 in St. Louis das erste Ausbildungsinstitut zur Weiterbildung von Zahnärzten zu Kieferorthopäden. Er war ein äußerst einflussreicher und erfolgreicher Lehrer und prägte viele Jahrzehnte der Kieferorthopädie. Angle war dazu technisch und handwerklich begabt und entwickelte die festsitzenden Zahnspangen unermüdlich weiter. Seine Lehre und seine festsitzende Edgewise-Zahnspange verbreiteten sich in allen damals entwickelten Ländern.


Definition der Zahnspange

Zahnspange wird im weitesten Sinn jeder Apparat genannt, mit dem in der Kieferorthopädie Zähne bewegt oder beeinflusst werden. Es gibt herausnehmbare und festsitzende Zahnspangen. Die herausnehmbaren Zahnspangen sind mit wenigen Ausnahmen veraltet, weil sich die meisten kieferorthopädischen Behandlungen mit festsitzenden Zahnspangen schneller, effektiver, für den Patienten angenehmer und schliesslich auch kostengünstiger durchführen lassen.

Herausnehmbare Zahnspangen

Im Allgemeinen lassen sich geringgradig ausgeprägte Fehlstellungen mit herausnehmbaren Spangen korrigieren, während schwierigere Behandlungen häufig den Einsatz festsitzender Apparaturen erfordern. Die Vorteile der herausnehmbaren Spangen sind, dass es keine Schwierigkeiten beim Zähneputzen und das Risiko der Entstehung von Karies und Zahnbetterkrankungen sowie Überlastungsschäden gering sind. Der Nachteil ist, dass diese herausnehmbaren Spangen nur wirksam sind, wenn sie auch eingesetzt werden. Eine gute Mitarbeit ist also wichtig. Die Behandlungen mit herausnehmbaren Spangen dauern in der Regel länger als bei Verwendung festsitzender Apparaturen.

Festsitzende Zahnspangen

Bei Kindern und Jugendlichen ist die feste Zahnspange häufig das Mittel der Wahl. Zahnfehlstellungen werden durch eine festsitzende Spange, bestehend aus Brackets, die mit speziellem Kunststoff für eine bestimmte Zeit fest auf die Zahnoberfläche geklebt werden und speziellen Bögen, die die einzelnen Zähne miteinander verbinden, korrigiert. Damit lassen sich Zähne wie an einer Schiene bewegen, bis sie ihre individuelle Idealstellung erreicht haben. Durch einen vorgeformten Drahtbogen, der durch die einzelnen Brackets geführt und befestigt wird, entsteht die korrigierende Wirkung, denn der Draht ist in Form des idealen Zahnbogens vorgespannt. Die dabei wirkende Kraft führt die Zähne somit in vielen kleinen Schritten in ihre Idealposition. Die Kontrolltermine finden ca. alle 5-6 Wochen zur Überprüfung und Aktivierung der Zahnspange statt. 

Arten der festsitzenden Zahnspange

Neben den unterschiedlichsten Materialien und zahlreichen Geräten bei den festsitzenden Zahnspangen unterscheidet man zwischen der sichtbaren und unsichtbaren Zahnspange. Die unsichtbare Zahnspange, wird gerne von Erwachsenen genommen, da die so genannten Lingual-Brackets auf die Innseite der Zähne befestigt wird. Da diese schwieriger anzubringen ist, ist sie auch erheblich teurer als die klassische festsitzende Klammer aus Metall, bei der die Halterung für die Drähte außen sitzt.


Eingewöhnungsschwierigkeiten

Schwierigkeiten bei der Eingewöhnung treten meist nur in den ersten Tagen auf. So können die Zähne auf die Spannung des eingebundenen Metalldrahtes empfindlich, möglicherweise sogar schmerzhaft reagieren. Diese anfängliche Reaktion der belasteten Zähne gibt sich aber rasch. Sollten die Beschwerden länger anhalten, sollten Sie Ihren Kieferorthopäden informieren. Im Laufe der Behandlung werden sich durch das Bewegen der Zähne die Kontakte zu den Gegenzähnen verschieben. Das Gefühl beim Zubeißen wird sich ändern. Diese ist ebenso normal wie eine leichte Lockerung der bewegten Zähne. Die Zähne festigen sich nach Entfernung der Spange wieder relativ rasch.


Behandlungsbeginn

Die meisten kieferorthopädischen Behandlungen beginnen in der Phase des Zahnwechsels zwischen dem 9. und 11. Lebensjahr. Zu diesem Zeitpunkt ist das Kieferwachstum noch nicht abgeschlossen und der Kieferorthopäde kann gezielte Maßnahmen unter Ausnutzung des Wachstumsschubes ergreifen. Vielen Kindern könnte eine Zahn- und Kieferregulierung erspart werden, wenn Eltern mit ihren Kindern schon zwischen dem 5. und 6. Lebensjahr einen Fachzahnarzt für Kieferorthopädie aufsuchten. Wenn Gebissfehlentwicklungen frühzeitig erkannt werden, sind oft einfache Behandlungsmaßnahmen mit einer Mundvorhofplatte, mit speziellen Funktionsreglern oder durch funktionelle Muskelübungen erfolgreich.


Dauer der Behandlung

Regulierungen der Zahn- und Kieferstellung erstrecken sich einschließlich der meist erforderlichen Stabilisierungsphase im Allgemeinen über mehrere Jahre. Kieferorthopädische Patienten, gegebenenfalls auch ihre Eltern, müssen sich also geduldig auf eine längerfristige Betreuung durch den Kieferorthopäden einstellen. Die meisten kieferorthopädischen Kinderbehandlungen dauern 3-4 Jahre. Kleinere Gebissfehlentwicklungen lassen sich natürlich in kürzeren Zeiträumen regulieren. 

Mund- und Zahnspangenpflege:

Herausnehmbare Apparaturen:
Zahnspangen unter laufendem Wasser mit einer Zahnbürste und Zahnpasta reinigen
Reinigungstabletten aus der Apotheke sind nicht dringend erforderlich
Essigwasser hilft gegen Zahnsteinbildung auf den Zahnspangen
bei festen Ablagerungen ist eine Reinigung im Ultraschallgerät in der kieferorthopädischen Praxis möglich.

Festsitzende Apparatur:

die Zahnreinigung sollte nach jeder Mahlzeit erfolgen
vor dem Zähneputzen kräftig mit Wasser oder einer speziellen Lösung spülen; gröbere Speisereste werden dadurch entfernt
danach die Zähne mit einer geeigneten Zahnbürste sorgfältig und systematisch mit kleinen kreisenden Bewegungen putzen; dabei ist es wichtig, sowohl oberhalb als auch unterhalb der Brackets und des Bogens zu reinigen
mit speziellen kleinen Interdentalraumbürsten die Zahnzwischenräume zwischen den Brackets sauber halten
besonders wichtig: die Zahnzwischenräume vor dem Schlafengehen mit Zahnseide reinigen

Kostenübernahme der gesetzliche Krankenkassen

Bei den gesetzlichen Krankenkassen werden derzeit für das erste Kind 80%, bei weiteren Kindern 90% der Behandlungskosten sofort übernommen, wenn die Abweichungen ab Einstufung 3 bis 5 vom Spezialisten beurteilt werden. Die fehlenden 10% oder 20% gibt es erst bei erfolgreichem Abschluss der Behandlung zurück. Außervertragliche Leistungen für eine optimierte kieferorthopädische Behandlung müssen von den Eltern selbst finanziert werden. Dies betrifft auch gewählte Zusatzleistungen, die die Behandlungsdauer verkürzen oder die Behandlung angenehmer machen.